Strategieexperte Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser beantwortet Ihre Fragen zu Immobilien, Wirtschaft und Politik.

Reinhard C. Meier-Walser (* 7. Mai 1957 in Steyr) ist ein deutscher Politikwissenschaftler.

Reinhard Meier-Walser ist gebürtiger Österreicher. Er wuchs in München auf, absolvierte.. weiterlesen

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Eignet sich die Altbauimmobilie noch als Altervorsorge?


Anton Bauer
Beiträge: 1
Themenstarter
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Beigetreten: Vor 1 Monat

Herr Professor Meier-Walser, ich stehe kurz vor dem Ruhestand und bin zusammen mit meiner Frau Eigentümer eines Einfamilienhauses, erbaut 1974. Eigentlich hatten wir immer geplant, im eigenen Haus, das wir als „Altersvorsorge“ erworben hatten, wohnen zu bleiben, sofern es unsere Gesundheit erlaubt. Die hohen Lebenshaltungskosten, insbesondere die unfassbaren Energiepreise (wir heizen und kochen mit Gas) haben unsere Planungen nun aber durcheinandergebracht. Außerdem stehen wir vor dem Problem, in den nächsten Jahren eine Reihe von Sanierungsmaßnahmen vornehmen zu müssen, die wir nur mit Krediten finanzieren können, die ebenfalls immer teurer werden. Da auch in unserem Freundeskreis mehrheitlich davon ausgegangen wird, dass die Immobilienpreise nicht mehr steigen, sondern in Zukunft sogar fallen werden, haben wir auch schon überlegt, unser Haus doch zu verkaufen und in eine Mietwohnung zu ziehen. Darf ich Sie fragen, wozu Sie uns raten würden?

1 Antwort
Prof. Dr. Meier-Walser
Beiträge: 20
Mitglied
Beigetreten: Vor 10 Monaten

Sehr geehrter Herr Bauer,

vielen Dank für Ihre Frage, die ein Problem verdeutlicht, mit dem gegenwärtig viele Eigentümer älterer Wohnhäuser konfrontiert sind, welche ihre Immobilie als „Altersvorsorge“ erworben bzw. gebaut hatten. Anstelle eines durch das sprichwörtliche „Betongold“ finanziell gesicherten Ruhestandes mutiert das mitunter mühsam ersparte und langfristig finanzierte Wohneigentum im Zuge der von Ihnen völlig zu Recht betonten Kostenexplosion insbesondere im Energiesektor plötzlich zu einem Risiko, das – wie in Ihrem Fall – in Kombination mit der Perspektive der Notwendigkeit kostspieliger Sanierungsmaßnahmen neue Überlegungen und Planungen bezüglich der weiteren Eigentums- und Wohnsituation erfordert. Oftmals stehen, das weiß ich aus vielen Gesprächen mit Immobilieneignern in ähnlich gelagerten Fällen, einem Verkauf des eigenen Hauses gut nachempfindbare Emotionen und Sentimentalitäten entgegen. Da Sie und Ihre Gattin jedoch bereits die Veräußerung Ihres Einfamilienhauses und den Umzug in eine Mietwohnung als eine Möglichkeit offen ansprechen, können wir Ihre Optionen unbefangen erörtern.
Zur vollständigen Beurteilung Ihrer speziellen Situation fehlt mir offen gestanden eine wichtige Information, nämlich die Lage und Größe des Grundstücks, auf dem Ihr Wohnhaus steht. Denn – ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen – über eines müssen wir uns von vorneherein im klaren sein: Ein im Jahre 1974 erbautes Einfamilienhaus stellt im Verkaufsprozess schon aus den von Ihnen erwarteten Renovierungskosten, die durch die aus den ambitionierten Klimazielen der Bundesregierung erfließenden energetischen Sanierungsvorschriften noch zusätzlich erhöht werden, keinen positiven „Wertfaktor“ dar. Es ist der Grund, auf dem Ihr Haus jetzt steht, nach dem sich der zu erzielende Verkaufserlös abschätzen lässt.
Ungeachtet der Unkenntnis von Lage und Größe Ihres Grundstückes kann ich Ihnen aber unter Kenntnis der mir bekannten Parameter tatsächlich dazu raten, den Verkauf Ihres Wohneigentums zeitnah in Angriff zu nehmen. Alle derzeit bekannten Indikatoren weisen darauf hin, dass die Energiepreise weiter hoch bleiben werden und die Inflation, die in Deutschland wie in der gesamten Euro-Zone mittlerweile die 10-Prozent-Marke erreicht hat, zumindest mittelfristig nicht signifikant sinken wird. Auch aus diesem Grund ist zu erwarten, dass die Europäische Zentralbank den Leitzins weiter sukzessive anheben wird, was zu weiteren Verteuerungen der privaten Kredite führen dürfte. Zu diesen, alle für Sie relevanten Entwicklungen kommt zusätzlich die Verteuerung der Baukonstruktionsstoffe und generell der Bau- und Umbaumaßnahmen hinzu, die in Ihrem Fall einer Wohnhaus-Sanierung zu Buche schlagen würden.
Während ich Ihnen vor dem Hintergrund dieser zu erwartenden Entwicklungen zu einem Verkauf Ihres Hauses rate, würde ich allerdings anstelle der Option des Wechsels in ein Mietverhältnis zunächst eher den Kauf einer Wohnung empfehlen. Mit dem Erlös des Verkaufes Ihrer jetzigen Immobilie könnten Sie etwa den Erwerb einer wenige Jahre alten, Ihren Ansprüchen genügenden geräumigen Wohnung mit Balkon finanzieren. Sie würden damit die allermeisten Vorteile ihres derzeitigen Wohneigentums mit Garten bewahren können und wären nicht mehr mit den Sie jetzt belastenden Sanierungsproblemen und finanziellen Sorgen konfrontiert. Gleichzeitig müssten Sie sich nicht mit der gerade in diesen volatilen Zeiten schwierigen Frage der sicheren Anlage des Verkaufserlöses Ihres Hauses befassen, die im Falle des Wechsels in ein Mietverhältnis wegen der langfristigen Gewährleistung der Verfügbarkeit der Mietaufwendungen von geradezu existenzieller Bedeutung wäre. Sie würden Wohneigentümer bleiben und behielten auch weiterhin die Möglichkeit, ihre eigenen vier Wände zu einem späteren Zeitpunkt zu kapitalisieren.
Für ein für Sie erfolgreiches und reibungsloses Management dieses, salopp als „Immobilientausch“ zu charakterisierende Projekt, also Verkauf Ihrer jetzigen Immobilie sowie Kauf und Umzug in eine Eigentumswohnung, würde ich Ihnen allerdings dringend raten, auf Alleingänge zu verzichten und stattdessen professionelle Hilfe eines seriösen Immobilienmaklers inAnspruch zu nehmen.

Viele Grüße
Reinhard Meier-Walser

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