Strategieexperte Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser beantwortet Ihre Fragen zu Immobilien, Wirtschaft und Politik.

Reinhard C. Meier-Walser (* 7. Mai 1957 in Steyr) ist ein deutscher Politikwissenschaftler.

Reinhard Meier-Walser ist gebürtiger Österreicher. Er wuchs in München auf, absolvierte.. weiterlesen

Entwicklung am Immo...
 
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Entwicklung am Immobilienmarkt


Immofuchs
Beiträge: 1
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Beigetreten: Vor 8 Monaten

Sehr geehrter Professor Meier- Walser,

Wie wie schätzen Sie die Lage am Immobilienmarkt ein im Hinblick auf immer weiter ansteigende Heiz- bzw. Stromkosten.

Gehe ich recht in der Annahme, dass innerhalb der nächsten Jahre viele Hausbesitzer nicht mehr in der Lage sein werden ihre Immobilie zu unterhalten? Das wiederum wird zu einem steigenden Angebot und folglich auch zu fallenden Preisen am Markt führen oder? 

Im Hinblick auf die angespannte Lage in der Ukraine ist auch nicht mit einer Entspannung am Rohstoffmarkt zu rechnen.

Ich freue mich über ihre Antwort.

Immofuchs 

5 Antworten
Prof. Dr. Meier-Walser
Beiträge: 18
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Beigetreten: Vor 8 Monaten

Sehr geehrter Immofuchs,

Ihre differenzierte Frage berührt mehrere Themenfelder und Entwicklungen. Um der Logik der von Ihnen skizzierten Zusammenhänge zu folgen, beginne ich mit den Hintergründen des drastischen Anstieges der Rohstoffpreise.
Die exorbitanten Summen, die in jüngerer Zeit für fossile Energieträger wie Erdöl und -gas berechnet werden, hängen - wie von Ihnen korrekt diagnostiziert - eng mit internationalen Konflikten in Förderregionen (etwa im Nahen und Mittleren Osten) bzw. mit der Zuspitzung von bestehenden Konflikten zu aktuellen Krisen (wie gegenwärtig in Osteuropa) zusammen. Börsen und Märkte reagieren auf internationale Entwicklungen "psychologisch", d.h. die Befürchtung, die Ukraine-Krise könne weiter eskalieren und in eine offene militärische Konfrontation münden, kann zwangsläufig auch nicht zu einer "Entspannung am Rohstoffmarkt" führen. Sollten entsprechend positiv klingende Signale aus dem Krisengebiet (etwa ein verifizierbarer massiver Abzug russischer Truppen aus dem Grenzgebiet zur Ukraine) im internationalen Umfeld als De-Eskalation gewertet werden, würden auch die Börsen und Märkte positiv reagieren.
Eine Konsolidierung im Sinne eines zu erwartenden substanziellen und langfristigen Rückganges der Preise fossiler Energieträger kann jedoch nur durch eine grundsätzliche Lösung des Ukraine-Konfliktes, der bereits seit 2014 andauert, und durch eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Russland und dem demokratischen Westen herbeigeführt werden. Davon sind wir gegenwärtig weit entfernt.
Vor diesem Hintergrund ist damit zu rechnen, dass die drastisch gestiegenen und auf absehbare Zeit zumindest nicht erheblich sinkenden Kosten für Heizung, Treibstoffe, Strom etc. die Bürgerinnen und Bürger weiterhin stark belasten werden. Verschärft wird die Situation insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland durch deren hohe Abhängigkeit von Energieimporten, nicht zuletzt aus Russland, das über die Hälfte des deutschen Bedarfes an Erdgas deckt.
Ihre im Kontext der prekären Energiepreis-Entwicklung formulierte Frage, ob Immobilienbesitzer in den nächsten Jahren in Schieflage geraten könnten, fußt auf plausiblen Überlegungen. Während Immobilieneigner, die ihr Eigenheim schon lange besitzen, vor allem durch die hohe Inflation erheblich belastet werden, kommt bei denjenigen, die angesichts günstiger Darlehen und niedriger Zinsen sich für den Erwerb oder Bau einer Immobilie anstatt Miete entschieden haben, die zu erwartende Zinswende erschwerend hinzu. Denn angesichts einer Teuerungsrate von rund 5 Prozent und der zunehmenden Gefahr, dass Kapital aus Europa in Regionen mit höheren Zinsen abwandert, wird die Europäische Zentralbank ihre Nullzinspolitik in den kommenden Monaten zumindest moderat verändern.
Die hohe finanzielle Belastung von Immobilieneignern, gepaart mit einem Anstieg der Zinsen auf Vermögen, wird mit Sicherheit Bewegung in den Immobilienmarkt bringen. Ob das dann zu erwartende höhere Angebot an verfügbaren Immobilien unmittelbar zu, wie Sie schreiben, "fallenden Preisen am Markt führen" wird, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht absehen. Mit Sicherheit zu erwarten ist allerdings, dass zumindest der massive Preisanstieg für Häuser und Wohnungen, den wir seit langem sehen, eine erhebliche Dämpfung erfahren wird.

Viele Grüße
Reinhard Meier-Walser

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saengerimmo
Beiträge: 2
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Beigetreten: Vor 7 Monaten

Sehr geehrter Herr Meier-Walser,

wie schätzen Sie die die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt hinsichtlich einer Vermögensabgabe ein, von der immer mal wieder die Rede war, aufgrund der Corona- Pandemie?

Mit freundlichen Grüßen Saengerimmo

Antwort
Prof. Dr. Meier-Walser
Beiträge: 18
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Beigetreten: Vor 8 Monaten

Sehr geehrte/r Sängerimmo,

in der Tat wurde eine Vermögensabgabe in jüngerer Zeit insbesondere im Vorfeld der Bundestagswahlen vom vergangenen Herbst medienwirksam diskutiert, als vor allem die Linkspartei lautstark forderte (und das auch heute noch auf ihrer Homepage tut), "dass für die Bewältigung der Corona-Krise und der nachfolgenden Kosten eine Vermögensabgabe erhoben wird, die sicherstellt, dass die Reichen und Vermögenden angemessen beteiligt werden".
In diesem Zusammenhang ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die hier gemeinte Vermögensabgabe nach Art. 106 Abs. 1 Nr. 5 GG eine einmalige, anlassbezogene und nicht dauerhafte Steuer ist, die streng von der in Art. 106 Abs. 2 Nr. 1 GG geregelten Vermögenssteuer zu unterscheiden ist. (Die Vermögenssteuer ist in der Bundesrepublik aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts, in dem die Bewertung des Immobilienbesitzes als ungerecht moniert wurde, seit 1997 ausgesetzt.)
Zwar schlossen sich der Position der Linkspartei (die übrigens sowohl Vermögensabgabe als auch eine Vermögenssteuer fordert) im Bundestagswahlkampf 2021 auch einzelne Stimmen aus anderen Politischen Parteien an, aber insbesondere die Unionsparteien und die FDP stellten sich gegen derartige Forderungen. Wenn, was im Vorfeld der Wahlen durchaus als ein mögliches Szenario betrachtet wurde, der Wahlausgang in ein Rot-Rot-Grünes Bündnis gemündet hätte, wäre eine anlassbezogene, Corona-bedingte Vermögensabgabe sicherlich wahrscheinlicher gewesen als in der schließlich zustande gekommenen Ampel-Koalition, in der die FDP, zumal sie mit Parteichef Lindner auch den Finanzminister stellt, derartige Überlegungen wie erwähnt strikt ablehnt.
Zudem ist höchst zweifelhaft, ob sich eine Vermögensabgabe zur Finanzierung der Corona-Belastungen verfassungsrechtlich rechtfertigen ließe bzw. einer Verfassungsklage standhalten könnte. Dies geht sowohl aus einem Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages (WD 4-3000-041/20) als auch aus einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates beim Bundesministerium der Finanzen (Stellungnahme 03/2021 vom 17. Mai 2021) hervor. In Letzterem, das noch zu Amtszeiten des damaligen Bundesfinanzministers und heutigen Bundeskanzlers Olaf Scholz erstellt wurde, heißt es schlussfolgernd und insbesondere auch die ökonomische Dimension berücksichtigend, "dass die spezifischen Verteilungseffekte der Corona-Krise keine einmalige Vermögensabgabe rechtfertigen" (S. 10). Das Argument der Befürworter einer Vermögensabgabe, dass das Lastenausgleichsgesetz (LAG) von 1952 ein Exempel für eine Sonderlast für Vermögende in Corona-Zeiten sein könnte, wird ausdrücklich zurückgewiesen. Die extreme Notsituation, die unter dem Eindruck der Kriegsfolgen 1952 zum LAG geführt habe, sei nicht mit 2021 vergleichbar, weshalb sich "die Vermögensabgabe nach dem LAG nicht als Vorbild für die heutige Situation anbietet" (S. 9).
Neben der rechtlichen Problematik einer einmaligen, anlassbezogenen (Corona) Vermögensabgabe wäre es politisch und ökonomisch höchst problematisch, Immobilienbesitzer, die erstens durch die explosionsartigen Preisanstiege im Energiesektor, zweitens durch neue, mit den Klimaschutzzielen verknüpfte Sanierungsauflagen und drittens mit der Perspektive steigender Zinsen ohnehin mit enormen Herausforderungen konfrontiert sind sind, durch zusätzliche Abgabenforderungen weiter zu belasten.

Viele Grüße
Reinhard Meier-Walser

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2 Antworten
saengerimmo
Beigetreten: Vor 7 Monaten

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Beiträge: 2

Herzlichen Dank für Ihre ausführliche und mich erst einmal beruhigende Antwort. Beste Grüße...

Antwort
Prof. Dr. Meier-Walser
Beigetreten: Vor 8 Monaten

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Beiträge: 18

Sehr gerne! Wir sollten Ihre Frage vielleicht in einigen Monaten nochmals aufgreifen und vor dem Hintergrund der Veränderung der gegenwärtig volatilen politischen und ökonomischen Situation erneut prüfen.
Viele Grüße
Reinhard Meier-Walser

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