Strategieexperte Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser beantwortet Ihre Fragen zu Immobilien, Wirtschaft und Politik.

Reinhard C. Meier-Walser (* 7. Mai 1957 in Steyr) ist ein deutscher Politikwissenschaftler.

Reinhard Meier-Walser ist gebürtiger Österreicher. Er wuchs in München auf, absolvierte.. weiterlesen

Immer mehr Hürden E...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Immer mehr Hürden Eigentümer?


Immobilienprimusdt
Beiträge: 1
Themenstarter
Mitglied
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Sehr geehrter Prof. Meier-Walser,

in Anbetracht der jetzigen Lage, könnte ich mir vorstellen, dass es bald eine Pflicht zur Umrüstung von fossilen Heizungsanlagen hin zu z.B Wärmepumpen etc. geben könnte. Des weiteren wird die Grundsteuerreform die Eigentümer finanziell mehr belasten. Ist es da nicht sogar sinnvoller, seine Investments zu überdenken ( z.B Aktien etc.) und vom bald sehr teuren Eigenheim in eine Mietimmobilie zu wechseln und jetzt noch die Gewinne der Niedrigzinsphase zu realisieren bevor durch eine Zinserhöhung die Preise am Immobilienmarkt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu sinken beginnen?

Ich erlaube mir noch eine zweite Frage:

Wie kommt es, dass ein Wissenschaftler mit ihrem Format nicht ein Forum mit viel größerer Reichweite betreut?

Sollten sie Interesse an einer Zusammenarbeit mit einem in der Immobilienbranche führenden Unternehmen Europas haben, würde ich mich freuen, ihnen ein interessantes Angebot machen zu dürfen. 

 

Hochachtungsvoll 

 

1 Antwort
Prof. Dr. Meier-Walser
Beiträge: 15
Mitglied
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Sehr geehrter „Immobilienprimus“

Die Beantwortung Ihrer ersten Frage möchte ich gerne in verschiedene Module aufspalten:
Die von Ihnen als „Möglichkeit“ einer Umrüstungspflicht fossiler Heizungsanlagen angesprochene, Immobilieneigner finanziell zweifellos belastende Maßnahme, ist sogar bereits sehr konkret. Wenn Sie einen Blick in Kapitel IV, Abschnitt „Bauen und Wohnen“ des Regierungsprogramms der Ampel-Koalition werfen, sehen sie, dass die Bundesregierung diesen Sektor unmissverständlich in ihr übergeordnetes Ziel des Klimaschutzes, konkret der Schaffung von Klimaneutralität bis zum Jahr 2045, eingegliedert hat. So sollen ab Januar 2024 die Standards für "wesentliche Ausbauten, Umbauten und Erweiterungen" von Bestandsgebäuden im Gebäudeenergiegesetz so angepasst werden, dass die auszutauschenden Teile dem KfW-Effizienzhausstandard EH 70 entsprechen. Zusätzlich zu diesen Sanierungsvorgaben soll ein Jahr später, also ab Januar 2025, jede neu eingebaute Heizung nur noch auf der Basis von 65 Prozent erneuerbarer Energien betrieben werden.
Ihre Behauptung, dass die (ab Januar 2025 geltende) Grundsteuerreform Eigentümer von Immobilien finanziell mehr belasten würde, kann ich so pauschal nicht unterschreiben. Richtig ist, dass der Gesetzgeber durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 10. April 2018, in dem das bislang geltende Berechnungsmodell der Grundsteuer wegen massiver Ungleichbehandlungen von Grund- und Immobilienbesitzern gekippt worden war, zu einer Neuregelung der Steuer aufgefordert wurde. Im Zuge dieser gesetzlichen Neuregelung wurde eine sogenannte „Länderöffnungsklausel“ verankert, derzufolge jedes Bundesland selbst entscheiden kann, ob es die Bundesregelung übernimmt oder ein eigenes Landesmodell implementiert – wofür sich Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen, das Saarland und Hamburg schließlich entschieden haben. Die finanziellen Konsequenzen für Immobilieneigner sind also vor dem Hintergrund der Frage, welches Grundsteuermodell ab 2025 gültig ist, abhängig, zumal sich die Berechnung der Steuer von Bundesland zu Bundesland zum Teil erheblich unterscheidet. Was Bayern anbetrifft, so hat der Bayerische Landtag im November 2021 beschlossen, dass zur Berechnung der bayerischen Grundsteuer künftig lediglich die Fläche des Grundstücks und die Fläche des Gebäudes sowie der Immobiliennutzung Berücksichtigung finden. Keine Rolle bei der Grundsteuerberechnung spielen mehr die Lage, das Alter, sowie der Zustand und Wert der Immobilien und Grundstücke. Das bedeutet, dass nicht jede Grundsteuerberechnung nach dem neuen Modell zwangsläufig zu einer finanziellen Mehrbelastung der Eigentümer führen wird.
Sie haben aber zweifellos recht, dass neben den von Ihnen erwähnten, Immobilienbesitzer zumindest verunsichernden Veränderungen auch angesichts der Erwartung einer Änderung der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank aufgrund des Zinsgefälles zwischen den USA und Europa sowie der exorbitanten Inflationsraten in Europa die Frage des Überdenkens von Vermögensanlagen für viele Bürgerinnen und Bürger aktuell und relevant ist. Gerade für diejenigen Immobilienbesitzer, deren Niedrigzins-Darlehen in den nächsten Jahren auslaufen und die deshalb fürchten, teurere Kredite in Kauf nehmen zu müssen, könnte ein Immobilienverkauf und Umzug in eine Miet-Immobilie interessant sein. Ob in diesen volatilen Zeiten mit Kriegen, Krisen und einer globalen Pandemie größere Kreise von Immobilieneignern allerdings ins Aktiengeschäft einsteigen werden, würde ich zu bezweifeln wagen.

Ihre zweite, mich ob Ihrer Würdigung meines akademischen Schaffens ehrende Frage, möchte ich mit der bekannten, meine generelle Berufsattitüde recht passabel treffenden psychologischen „Fischteich“-Formel beantworten: „Better a big fish in a small pond, than a small fish in a big pond“.

Viele Grüße
Reinhard Meier-Walser

Antwort
Teilen: